Forschung

Die amerikanisch-chinesische Schauspielerin Anna May Wong (1905-1961) lebte und arbeitete in den USA, Europa, China und Australien. In der Produktion und Rezeption ihrer Person dies- und jenseits der Leinwand materialisieren sich Diskurse um Differenzkategorien wie „Rasse“ und Geschlecht. Als transnationale Aktrice und Akteurin unterlag sie einerseits diesen Grenzziehungen, andererseits überschritt sie räumliche sowie symbolische Grenzen.

Die Dissertation untersucht den Zusammenhang zwischen räumlichen und symbolischen – hier bezogen auf die Differenzkategorien „Rasse“ und Geschlecht – Grenzen / Grenzüberschreitungen in der Inszenierung und Rezeption Anna May Wongs. Die kulturwissenschaftliche Arbeit ist interdisziplinär konzipiert, mit Bezügen zu Filmwissenschaft, Literaturwissenschaft, Geschichtswissenschaft und der Geschlechterforschung.

Ausgehend von der Beobachtung, dass das Motiv des Transits in ihrem Werk auffallend präsent ist, bringt die Dissertation diese Form der räumlichen Grenzbewegung mit symbolischen Transgressionen in Beziehung. Anhand von Analysen der Filme, die Anna May Wong in der Weimarer Republik, Großbritannien und den USA gedreht hat, und der Untersuchung des Rezeptionsmaterials geht sie der Frage nach, wie Wong diskursiviert wurde: Auf welche Weise wurde Wong in den Filmen inszeniert und welche Diskurse und politischen Strukturen haben diese Darstellungen bedingt? Die Arbeit untersucht die Fragestellungen nicht komparatistisch innerhalb verschiedener nationaler Rahmen. Vielmehr hebt sie die transnationalen Kollaborationen und die ikonographischen Transformationen am je lokalen Material hervor. Die Dissertation liest Anna May Wong nicht nur als Objekt dieser Ordnungssysteme, sondern betont ihr Agieren als Subjekt und ihre performative Arbeit, sodass sie Wong als Trangressionsmedium von Differenzsystemen beschreibt.

Das Forschungsprojekt verbindet diese Materialanalysen mit kulturtheoretischen und kulturhistorischen Auseinandersetzungen zu räumlichen und symbolischen Grenzen, zu Liminalität und Kosmopolitismus, zu Maskerade und Cross-dressing, zur performativen Herstellung von „Rasse“ sowie zu Sexualität und Exotisierung.